Lebenswerte Kieze, gepflegte Grünflächen und durchdachtes Wachstum.
Neukölln wächst und verändert sich. Damit unser Bezirk lebenswert bleibt, muss Stadtentwicklung vom Menschen her gedacht werden – mit gepflegten öffentlichen Räumen, bezahlbarem Wohnraum und einer Infrastruktur, die mit dem Bezirk Schritt hält.
Ich will Stärken erhalten und Probleme pragmatisch angehen: gewachsene Kiezstrukturen schützen, Verfahren beschleunigen und dort investieren, wo es den Alltag der Menschen spürbar verbessert.
Im Detail
Nord-Neukölln gehört zu den am dichtesten bebauten und bewohnten Teilen Berlins. Gründerzeitliche Wohnquartiere, Gewerbe, Geschäftsstraßen, Schulen, Grünflächen und soziale Einrichtungen liegen hier eng beieinander.
Diese Mischung macht Neukölln lebendig. Sie stellt die Stadtentwicklung aber auch vor besondere Herausforderungen: Es fehlt an Wohnraum, die Angebotsmieten sind stark gestiegen, öffentliche Räume werden intensiv genutzt und für zusätzliche Wohnungen stehen nur begrenzt freie Flächen zur Verfügung.
Stadtentwicklung muss deshalb mehr leisten als einzelne Gebäude zu planen. Wer neuen Wohnraum schafft, muss auch Verkehr, Schulen, Kitas, Grünflächen, Gewerbe, Energieversorgung und die Lebensqualität in den bestehenden Kiezen mitdenken.
In Nord-Neukölln leben rund 163.000 Menschen. Nach unserer Auswertung der kleinräumigen Zensusdaten gibt es hier:
Die Zahlen zeigen, wie stark Nord-Neukölln durch Mietwohnungen und eine dichte Bebauung geprägt ist.
Die Eigentümerstruktur ist vielfältiger, als es manche politische Debatte vermuten lässt. Bezogen auf die Zahl der Wohnungen entfallen in Nord-Neukölln ungefähr:
„Privates Eigentum“ besteht damit nicht nur aus großen Wohnungskonzernen. Dazu gehören auch einzelne Vermieter, Erbengemeinschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften.
Auch der Begriff „private Wohnungsunternehmen“ umfasst sehr unterschiedliche Eigentümer – vom mittelständischen Bestandshalter bis zum großen institutionellen Unternehmen.
Gute Wohnungspolitik darf diese Unterschiede nicht ignorieren. Mieter, private Eigentümer, Genossenschaften, öffentliche Wohnungsunternehmen, Handwerk und Bauwirtschaft werden gleichermaßen gebraucht, wenn zusätzlicher Wohnraum entstehen und der Bestand erhalten werden soll.
Über Miethöhen wird häufig mit Zahlen gesprochen, die nicht dasselbe messen.
Die beim Zensus 2022 tatsächlich gezahlte durchschnittliche Nettokaltmiete lag in Nord-Neukölln bei rund 7,63 Euro je Quadratmeter.
Wer eine neue Wohnung sucht, erlebt jedoch eine andere Wirklichkeit. Die mittlere Angebotsmiete für öffentlich inserierte Wohnungen im gesamten Bezirk Neukölln lag 2025 bei 13,61 Euro je Quadratmeter.
Bei den Berliner Mitgliedsunternehmen des BBU lagen die Bestandsmieten Mitte 2025 durchschnittlich bei 7,10 Euro, neu abgeschlossene Verträge bei durchschnittlich 9,54 Euro je Quadratmeter.
Diese Werte widersprechen sich nicht. Sie bilden unterschiedliche Teile des Wohnungsmarktes ab:
Für viele Bestandsmieter ist das Mietniveau noch deutlich niedriger als die sichtbaren Angebotsmieten. Wer heute eine neue Wohnung benötigt, trifft dagegen auf einen kleinen und wesentlich teureren Angebotsmarkt.
Beim Zensus 2022 standen in Nord-Neukölln rund 1.900 Wohnungen leer. Das entsprach etwa 2,2 Prozent des Wohnungsbestands.
Nur ungefähr 500 Wohnungen standen bereits seit mindestens einem Jahr leer. Das waren rund 0,6 Prozent des gesamten Bestands.
Nicht jede zum Stichtag unbewohnte Wohnung ist dauerhaft dem Markt entzogen. Leerstand kann unter anderem durch einen Mieterwechsel, eine Renovierung, eine Modernisierung, einen Verkauf oder anstehende Baumaßnahmen entstehen.
Die Zahlen machen deutlich: Dauerhafter Leerstand ist ein Problem, aber keine ausreichende Reserve, um den Wohnungsmangel zu lösen. Selbst eine vollständige Aktivierung aller langfristig leer stehenden Wohnungen würde nur einen sehr kleinen Teil des Bedarfs decken.
Wer steigende Mieten dauerhaft begrenzen will, muss deshalb auch das Wohnungsangebot vergrößern.
Nord-Neukölln verfügt nur über wenige große freie Bauflächen. Neuer Wohnraum muss deshalb überwiegend innerhalb der bestehenden Stadt entstehen.
Dazu gehören:
Nicht jede freie Fläche muss bebaut werden. Kieznahe Grünflächen, Spielplätze, Gewerbeflächen und Frischluftschneisen haben einen eigenen Wert. Verdichtung braucht deshalb eine genaue Betrachtung des Standorts und darf nicht allein nach der maximal möglichen Geschossfläche beurteilt werden.
Gleichzeitig dürfen geeignete Projekte nicht jahrelang durch unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Anforderungen und langsame Genehmigungsverfahren verzögert werden.
Wohnungen werden nicht dadurch günstiger, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren immer komplizierter werden. Lange Verfahren, steigende Baukosten und fehlende Planungssicherheit verteuern Projekte oder verhindern sie vollständig.
Ich setze mich deshalb ein für:
Öffentliche, genossenschaftliche und private Bauherren sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Berlin braucht alle, die verantwortungsvoll neuen Wohnraum schaffen und bestehende Gebäude erhalten.
Die tatsächliche Belastung eines Haushalts besteht nicht nur aus der Nettokaltmiete. Hinzu kommen kalte Betriebskosten, Heizung und Warmwasser.
Für das Abrechnungsjahr 2024 wurden in Berlin durchschnittlich:
abgerechnet.
Für eine 70 Quadratmeter große Wohnung entsprechen diese Durchschnittswerte zusammen bereits rund 240 Euro im Monat – zusätzlich zur Nettokaltmiete.
Deshalb muss bei jeder Modernisierung die gesamte Warmmiete betrachtet werden. Eine Maßnahme hilft den Bewohnern wenig, wenn die eingesparten Heizkosten durch Modernisierungsumlagen und andere Mehrkosten deutlich übertroffen werden.
Energetische Modernisierung ist notwendig, um Gebäude zukunftsfähig zu machen und den Energieverbrauch zu senken. Sie muss aber technisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und sozial ausgewogen sein.
Seit 2026 liegt der nationale CO₂-Preis für fossile Brennstoffe innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂. Bei Mietwohnungen werden die daraus entstehenden CO₂-Kosten abhängig vom energetischen Zustand des Gebäudes zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt.
Steigende Energie- und CO₂-Kosten treffen Mieter über die Nebenkosten. Gleichzeitig müssen Eigentümer erhebliche Investitionen finanzieren, wenn Heizungen, Dächer, Fenster oder Gebäudehüllen modernisiert werden.
Deshalb brauchen wir:
Hydraulischer Abgleich, Heizungsoptimierung sowie die Dämmung von Dach- und Kellerdecken können beispielsweise in vielen Gebäuden schneller und günstiger umgesetzt werden als umfassende Fassadensanierungen.
Klimaschutz darf nicht zu einer Politik werden, die Wohnen unbezahlbar macht. Erfolgreich ist eine Maßnahme dann, wenn sie Energie einspart, den Gebäudebestand verbessert und die Belastung der Bewohner beherrschbar bleibt.
Nach den Zensusdaten befinden sich rund 13.600 Wohnungen in Gebäuden, die als Wohnungseigentümergemeinschaft organisiert sind. Das entspricht knapp 16 Prozent des Wohnungsbestands in Nord-Neukölln.
Tatsächlich selbst genutzt wurden zum Zensusstichtag jedoch nur knapp 3.900 Wohnungen. Ein großer Teil der Eigentumswohnungen ist somit vermietet.
Auch Eigentumswohnungen erfüllen deshalb unterschiedliche Funktionen: Sie können selbst genutztes Zuhause, private Altersvorsorge oder vermieteter Wohnraum sein.
Eine Stadt, in der kaum jemand die Chance hat, Wohneigentum zu bilden, verliert langfristig ebenfalls an sozialer Vielfalt. Neben Mieterschutz und bezahlbaren Mietwohnungen sollte Politik deshalb auch privates und genossenschaftliches Eigentum ermöglichen.
Lebenswerte Quartiere entstehen nicht allein durch zusätzliche Wohnungen.
Zu einer guten Stadtentwicklung gehören ebenso:
Wer neue Wohnungen plant, muss die notwendige Infrastruktur von Beginn an mitplanen. Wachstum darf nicht dazu führen, dass Schulen, Verkehr, Verwaltung und öffentliche Räume noch stärker überlastet werden.
Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch Parolen. Er entsteht durch mehr Angebot, schnellere Verfahren, verlässliche Regeln und eine Stadtentwicklung, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Fragen gemeinsam betrachtet.
Bestandsmieter müssen vor rechtswidrigen Forderungen geschützt werden. Gleichzeitig müssen private Eigentümer, Genossenschaften und Wohnungsunternehmen ihre Gebäude erhalten, modernisieren und energetisch weiterentwickeln können.
Wohnungsgenossenschaften kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie verbinden wirtschaftliche Stabilität und langfristige Bestandspflege mit sozialer Verantwortung gegenüber ihren Mitgliedern. Deshalb will ich ihre Arbeit stärken und ihre Weiterentwicklung unterstützen.
Klimaschutz darf nicht nach dem Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ betrieben werden. Wer weniger CO₂ und niedrigere Energiekosten fordert, darf sinnvolle energetische Modernisierungen nicht gleichzeitig durch widersprüchliche Vorschriften verhindern.
Auch in sozialen Erhaltungsgebieten müssen moderne und wirtschaftlich tragfähige Heizungs- und Energiekonzepte möglich sein. Voraussetzung muss sein, dass die Maßnahmen den Bewohnern tatsächlich nutzen und ihre Kosten nicht zu steigenden Mieten und Verdrängung führen.
Neue Wohnungen müssen dort ermöglicht werden, wo sie städtebaulich sinnvoll und infrastrukturell tragfähig sind. Dazu gehören Neubau, Dachgeschossausbau, die behutsame Nachverdichtung bestehender Quartiere und die sinnvolle Umnutzung vorhandener Gebäude.
Mieterschutz, Eigentum, Neubau und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Stadtentwicklung muss dafür sorgen, dass Neukölln bezahlbar, erreichbar und lebenswert bleibt.
Unter „Aktuelles“ berichte ich fortlaufend über Bauvorhaben, wohnungspolitische Entscheidungen und konkrete Entwicklungen in den Neuköllner Kiezen.
[Aktuelle Beiträge zur Stadtentwicklung]
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