Verlässliche Rahmenbedingungen für Betriebe, Handwerk und Beschäftigung.
Neuköllns Wirtschaft lebt von Vielfalt – vom Handwerksbetrieb über den Einzelhandel bis zur Gastronomie. Wer Arbeitsplätze schafft, ausbildet und Verantwortung übernimmt, verdient verlässliche Rahmenbedingungen statt unnötiger Bürokratie.
Ich will lebendige Geschäftsstraßen, starke kleine und mittlere Betriebe und einen Tourismus mit Augenmaß, der im Einklang mit den Kiezen steht – für Wohlstand, der bei den Menschen ankommt.
Im Detail
Neukölln ist nicht nur Wohnbezirk, Ausgehviertel und kultureller Anziehungspunkt. Neukölln ist auch ein bedeutender Wirtschafts- und Industriestandort.
Hier arbeiten Handwerker und Händler, Gastronomen und Hoteliers, Selbstständige und Familienbetriebe ebenso wie Beschäftigte international tätiger Industrie- und Technologieunternehmen.
Eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik darf diese Vielfalt nicht gegeneinander ausspielen. Sie muss bestehende Arbeitsplätze sichern, neue Investitionen ermöglichen und dafür sorgen, dass Unternehmen im Bezirk verlässliche Bedingungen vorfinden.
Das Unternehmensregister weist für Neukölln mehr als 13.000 Niederlassungen aus. In ihnen arbeiten rund 75.000 abhängig Beschäftigte, darunter etwa 67.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.
Allein zum verarbeitenden Gewerbe gehören rund:
Damit besitzt Neukölln eine beachtliche industrielle Basis. Sie ist im Stadtbild nicht überall sofort sichtbar, hat aber eine große Bedeutung für Arbeitsplätze, Ausbildung, Wertschöpfung und Steuereinnahmen.
Wirtschaftspolitik darf sich deshalb nicht allein auf neue Büros, Start-ups und Gastronomie konzentrieren. Auch Produktion, Handwerk, Logistik und technisch-gewerbliche Betriebe brauchen dauerhaft Raum.
Der rund 200 Hektar große Südring ist das Herz der Neuköllner Wirtschaft. Weitere bedeutende Gewerbe- und Industriestandorte liegen an der Gradestraße und am Teltowkanal, an der Kanalstraße, in Buckow-West und im Umfeld der nördlichen Sonnenallee.
Die dort ansässigen Unternehmen zeigen die wirtschaftliche Bandbreite des Bezirks.
B. Braun produziert in Neukölln sterile Injektionslösungen. BIOTRONIK entwickelt und fertigt moderne Medizintechnik und hat seinen Hauptsitz im Bezirk.
Diese Unternehmen stehen für qualifizierte Industriearbeitsplätze, Forschung, Ausbildung und eine internationale Ausrichtung.
ASML entwickelt und produziert in Britz hochpräzise Bauteile für Lithografiesysteme, die weltweit bei der Herstellung von Computerchips eingesetzt werden.
Der Standort beschäftigt mehr als 1.700 Menschen und wird weiter ausgebaut. Damit ist Neukölln Teil einer technologischen Wertschöpfungskette, die für Europas wirtschaftliche und strategische Zukunft von großer Bedeutung ist.
ASML ist keine eigentliche Chipfabrik. Der Standort stellt jedoch Schlüsselkomponenten für die Maschinen her, ohne die moderne Halbleiterproduktion nicht möglich wäre.
Auch die Lebensmittelindustrie besitzt in Neukölln eine lange Tradition.
Unternehmen wie Jacobs Douwe Egberts, DEK Deutsche Extrakt Kaffee, Märkisches Landbrot, Moll Marzipan sowie Beumer & Lutum produzieren hier Kaffee, Backwaren und weitere Lebensmittel.
Sie zeigen, dass moderne Industrie nicht zwangsläufig aus rauchenden Schornsteinen und schwerer Produktion besteht. Auch hochwertige Lebensmittel, nachhaltige Verfahren und moderne Logistik gehören zur produktiven Stadt.
Unternehmen wie Kieback&Peter, Diessner, Process Insights, PohlCon und Camelion stehen für Gebäudetechnik, industrielle Messtechnik, Baustoffe, Farben sowie Batterie- und Energielösungen.
Gerade diese mittelständischen und spezialisierten Betriebe sind häufig weniger bekannt als große Konzerne. Für Arbeitsplätze, Ausbildung und industrielle Netzwerke sind sie jedoch von erheblicher Bedeutung.
Neukölln braucht Flächen für Industrie, Handwerk, Produktion, Logistik und technische Dienstleistungen. Dort, wo Betriebe arbeiten, ausbilden und investieren, müssen gewerbliche Standorte langfristig gesichert und Entwicklungsmöglichkeiten erhalten werden.
Gleichzeitig darf Stadtentwicklung nicht bedeuten, jede bestehende Nutzung unabhängig vom tatsächlichen Bedarf unverändert festzuschreiben. Dauerhaft leer stehende, nicht mehr marktgängige oder für ihre bisherige Nutzung ungeeignete Büro- und Gewerbegebäude sollten daraufhin geprüft werden, ob sie sinnvoll umgebaut oder anders genutzt werden können.
Dazu kann auch die Umwandlung geeigneter leer stehender Bürogebäude in Wohnungen oder Lofts gehören – vorausgesetzt, Belichtung, Lärmschutz, Brandschutz, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit lassen dies zu.
Entscheidend ist eine sorgfältige Einzelfallprüfung:
Nicht jede Gewerbefläche eignet sich für Wohnungsbau. Aber nicht jedes leer stehende Bürogebäude muss für immer ein Bürogebäude bleiben.
Bestehende Wirtschaft sichern, unnötigen Leerstand nutzen und Stadtentwicklung nach dem tatsächlichen Bedarf ausrichten.
Das ehemalige Philip-Morris-Werk an der Neuköllnischen Allee wird unter dem Namen NLND – Neuland Berlin schrittweise zu einem neuen Innovations- und Produktionscampus entwickelt.
Auf rund 150.000 Quadratmetern mit 30 Gebäuden sollen unter anderem Produktions- und Prototypenflächen, Büros, Räume für Start-ups, Forschung und Bildung sowie gastronomische, kulturelle und sportliche Angebote entstehen.
Das Projekt kann beispielhaft zeigen, wie ein traditionsreicher Industriestandort weiterentwickelt werden kann, ohne seine produktive Identität vollständig aufzugeben.
Entscheidend ist, dass NLND nicht zu einem gewöhnlichen Büro- und Veranstaltungsquartier wird. Produktion, Forschung, Mittelstand und industrielle Innovation müssen den Kern des Projekts bilden.
Die Verbindung von etablierten Unternehmen, Hochschulen, Start-ups und Handwerk kann einen echten Mehrwert für Neukölln schaffen – durch neue Arbeitsplätze, Ausbildung, Wissenstransfer und wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Die wirtschaftliche Stärke Neuköllns besteht nicht nur aus großen Industrieunternehmen.
Kleine und mittlere Betriebe, Handwerker, Einzelhändler, Gastronomen, Dienstleister und Selbstständige tragen den Bezirk. Sie bilden aus, schaffen Arbeitsplätze, versorgen die Kieze und übernehmen häufig auch gesellschaftliche Verantwortung.
Viele von ihnen kämpfen jedoch mit:
Wirtschaftsförderung muss deshalb als konkrete Dienstleistung verstanden werden.
Unternehmen brauchen feste Ansprechpartner, nachvollziehbare Verfahren und verbindliche Auskünfte. Ein Betrieb darf nicht monatelang zwischen Bauaufsicht, Ordnungsamt, Straßenbehörde und weiteren Stellen hin- und hergeschickt werden.
Eine leistungsfähige Verwaltung schützt Regeln und setzt sie durch. Sie muss zugleich in der Lage sein, wirtschaftliche Vorhaben zügig und rechtssicher zu begleiten.
Dazu gehören:
Schnellere Verfahren bedeuten nicht, Regeln außer Kraft zu setzen. Sie bedeuten, Zuständigkeiten zu klären, Entscheidungen zu treffen und Unternehmen Planungssicherheit zu geben.
Industrie, Handwerk, Hotellerie, Gastronomie, Pflege und technische Dienstleistungen suchen qualifizierte Beschäftigte.
Gleichzeitig benötigen viele junge Menschen in Neukölln eine realistische berufliche Perspektive. Beides muss stärker zusammengebracht werden.
Dafür brauchen wir:
Nicht jeder erfolgreiche Berufsweg führt über ein Studium. Eine qualifizierte Ausbildung bietet Eigenständigkeit, Aufstiegsmöglichkeiten und eine sichere Grundlage für das weitere Leben.
Unternehmen können nicht arbeiten, wenn Material, Waren, Beschäftigte und Kunden ihre Standorte nicht zuverlässig erreichen.
Gute Wirtschaftspolitik braucht deshalb auch eine funktionierende Verkehrspolitik.
Dazu gehören:
Verkehrsberuhigende Maßnahmen dürfen Gewerbestandorte nicht abschneiden oder den Wirtschaftsverkehr ohne tragfähige Alternative in benachbarte Wohnstraßen verdrängen.
Der Flughafen BER liegt direkt südlich von Neukölln. Über die A113, Busse und Bahnverbindungen ist er grundsätzlich gut erreichbar.
Besonders Rudow profitiert bereits von den direkten Expressbussen X7 und X71 zum Flughafen. Für Nord-Neukölln, den Estrel-Standort und die großen Gewerbegebiete fehlt jedoch weiterhin eine überzeugende, schnelle und möglichst umsteigearme Verbindung.
Eine bessere Flughafenanbindung ist kein Luxusprojekt. Sie ist ein Standortfaktor für:
Ich setze mich deshalb für eine langfristig leistungsfähige Verbindung zwischen Nord-Neukölln, dem Estrel, den Gewerbegebieten und dem BER ein.
Bestehende Busverbindungen müssen zuverlässig und verständlich sein. Bei der weiteren Planung von Regional-, S-Bahn- und Expressbusangeboten muss Neukölln stärker berücksichtigt werden.
Im Jahr 2025 wurden in Neuköllner Beherbergungsbetrieben rund 355.000 Gäste und 770.000 Übernachtungen gezählt.
Tourismus bedeutet für Neukölln nicht nur Hotels. Von Besuchern profitieren auch:
Mit dem Estrel besitzt Neukölln bereits einen der bedeutendsten Hotel-, Kongress- und Veranstaltungsstandorte Berlins.
Der neue Estrel Tower soll mit 176 Metern und 45 Etagen Berlins höchstes Hochhaus werden. Seine geplante Eröffnung wird die internationale Sichtbarkeit des Standorts weiter erhöhen.
Diese Entwicklung bietet Chancen – sie stellt den Bezirk aber auch vor Aufgaben. Verkehr, öffentlicher Raum, Sicherheit, Sauberkeit und die Verbindung zu den umliegenden Kiezen müssen mitwachsen.
Viele Gäste kennen Neukölln vor allem als Hotelstandort oder als Gebiet rund um Weserstraße und Maybachufer. Der Bezirk hat jedoch deutlich mehr zu bieten.
Tourismusförderung sollte deshalb stärker dafür sorgen, dass Besucher:
Dabei geht es nicht um einen Massentourismus, der Anwohner verdrängt oder den öffentlichen Raum überlastet.
Ziel muss ein Tourismus sein, der wirtschaftliche Chancen schafft, lokale Angebote stärkt und respektvoll mit den Kiezen umgeht.
Neukölln besitzt gute Voraussetzungen, nutzt sie aber noch nicht konsequent genug.
Der Bezirk braucht:
Wirtschaftsförderung bedeutet nicht, einzelne Unternehmen zu bevorzugen. Sie bedeutet, verlässliche Bedingungen für alle zu schaffen, die investieren, ausbilden, arbeiten und Verantwortung übernehmen.
Eine Stadt kann soziale Leistungen, gute Schulen, sichere Straßen und eine funktionierende Infrastruktur nur finanzieren, wenn Menschen arbeiten und Unternehmen erfolgreich wirtschaften können.
Neukölln darf sich deshalb nicht unter Wert verkaufen. Unser Bezirk besitzt Industrie, Technologie, Handwerk, Handel, Tourismus und eine vielfältige mittelständische Wirtschaft.
Diese Stärke müssen wir erhalten und weiterentwickeln.
Arbeit und wirtschaftlicher Erfolg sind keine Gegensätze zu sozialer Verantwortung. Sie sind ihre Grundlage.
Neukölln soll ein Bezirk sein, in dem gute Ideen willkommen sind, Unternehmen wachsen und Menschen sichere berufliche Perspektiven finden.
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